Pflanzaktion gegen rechte Zerstörungswut

Pralles Signal gegen Rechts: Ein solcher Wildapfel wird nun nach den rechten Attacken auf das Gedenken auf der Todesmarsch-Route nahe Weimar gepflanzt – und das im Namen unserer Stadt Uetersen

Wo im Bösen zerstört wird, muss umso mehr im Guten nachwachsen! Diesem Motto folgt jetzt die Stadt Uetersen.

Am kommenden Mittwoch, 7. Dezember 2022 wird sie im Rahmen einer großen Pflanz-Aktion bei Weimar (Thüringen) die lebenslange Patenschaft für einen Baum übernehmen.

Der Baum wächst dann nahe der Gedenkstätte des KZ Buchenwald – alles auf Antrag unserer Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Gepflanzt wird ein Wildapfel, ausgestattet mit einer Namenstafel für die Spenderin.

Mit der Patenschaft wird Uetersen Teil des Gedenkprojekts „1000 Buchen“ des Vereins Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda e.V. – und steht damit zusammen mit mehr als 20 Spender*innen und weiteren Unterstützer*innen des Projekts.

Dabei sind etwa die Thüringische Landesregierung, die Gedenkstätte Buchenwald, der Grüne Ortsverband Weimar mit seiner prominentesten Vertreterin, Vize-Bundestagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt, und der FC Schalke 04.

„Dass wir dafür gesorgt haben, dass auch unsere Stadt Partnerin bei diesem Projekt ist – darauf bin ich sehr stolz“, sagt Uetersens Grüner Fraktionschef Jens Ewald. „Denn das ist ein klares Signal gegen die Zerstörungswut von ganz rechtsaußen!“ 

Hintergrund: Das Projekt „1000 Buchen“ des Lebenshilfe-Werks Weimar/Apolda e.V., begonnen 1999, erinnert an die Opfer der Todesmärsche.

Es  umfasst mittlerweile fast 170 Bäume. Diese Bäume stehen entlang der Route, auf der Anfang April 1945 Zehntausenden Menschen noch kurz vor Befreiung des Konzentrationslagers ins bayerische KZ Flossenbürg gehen mussten. Zu Fuß. Gezwungen von den Nazis. 

Genau diese Bäume wurden im Sommer diesen Jahres attackiert. Am 20. Juli, dem Jahrestag des Attentats der Gruppe um Offizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler.

Unbekannte hatten vor der Gedenkstätte Buchenwald insgesamt 13 Bäume des Projekts mutwillig beschädigt, einige sogar abgesägt. Darunter auch solche für namentlich bekannte Opfer als auch auch für rund 1600 auf den Märschen zu Tode gekommene Kinder und Jugendliche.

„Wir sind entsetzt über den gezielten Angriff auf das Gedenken“, twitterte direkt nach dem Anschlag die Gedenkstättenstiftung Buchenwald. Der Vize-Präsident des Internationalen Auschwitzkomitees, Christoph Hübner, bezeichnete die Tat als „direkten Angriff gegen alle in den Lagern ermordeten Menschen und als Angriff gegen die deutsche Erinnerungskultur.“  

Und warum nun Uetersen?  

„Unser erster Gedanke war, dass man diese Bäume nicht einfach nur stoisch neu pflanzen, sondern für jeden einzelnen mindestens zwei oder besser drei neue pflanzen muss“, erklärt Katrin Stange, Sprecherin des grünen Ortsverbands. „Und wir waren sofort davon überzeugt, dass auch unsere Stadt ihren Teil dazu beitragen kann.“

Der Antrag zur Übernahme der Baumpatenschaft, für den wir Grüne für den Fachausschuss im September auch die SPD und die CDU gewinnen konnten, ging dann am 4. Oktober einstimmig durch die Ratsversammlung.

Nun wird kommenden Mittwoch also gepflanzt. Uetersen gemeinsam mit so vielen anderen, dazu noch namenhaften Pat*innen. Denn wie sich sehr schnell zeigte, hat die Zerstörungswut große Hilfsbereitschaft aktiviert. 

„Wir freuen uns riesig, dass so viele Initiativen bundesweit den selben Gedanken hatten wie wir und nun eine Baumpatenschaft übernehmen“, sagt Grünen-Fraktionschef Jens Ewald.

Er wird, da Uetersens Bürgermeister Dirk Woschei an diesem Tag leider verhindert ist, selbst nach Weimar reisen und in seiner Funktion als stellvertretender Bürgermeister die Stadt bei dem Festakt vor Ort vertreten, eines der Grußworte an die Gäste richten. Neben Ministerpräsident Bodo Ramelow und Katrin Göring-Eckardt

Für sie, genauso wie für alle anderen Spender*innen ist klar: „Nie wieder!“ muss immer und überall gelten  – auch wenn es einige nicht mehr hören mögen, das Gedenken lächerlich machen oder gar in den Schmutz ziehen wollen.

Im Gegenteil: „Gerade deswegen müssen wir immer wieder darauf beharren“, ist Ewald überzeugt. „Die Patenschaft ist Uetersens kleiner Beitrag, den Gegner*innen der Erinnerungskultur zu zeigen: Je mehr ihr im Bösen zerstört, desto mehr wächst im Guten nach!“

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