Familien-Idylle neben Auschwitz-Hölle

Das Foto zeigt das Eingangstor des Stammlagers Auschwitz in Nachaufnahme mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" aus Metall über dem Durchgang und geöffnetem Schlagbaum mit einem Schild mit der Aufschrift "Halt!". Dahinter sind Bäume, die ein einzelnes Lagergebäude und ein Zaunpfahl zu erkennen. In der untern Hälfte des Bildes steht die Aufschrift "The Zone of Interest" GRATIS-KINO im Burgkino Uetersen. Oben rechts im Foto befindet sich ein trükisblauer Kreis mit weißer Aufschrift "Sonntag, 7. April 11 Uhr". Unten rechts im Foto ist das obere linke Viertel einer gelben Sonnenblume.
Beklemmend, beeindruckend, Oscar prämiert: Dieser Film zeigt schonungslos, was die “Banalität des Bösen” bedeutet. Am Sonntag, 7. April ist das Meisterwerk kostenlos zu sehen

Tagsüber organisiert er den Massenmord an Hunderttausenden.

Abends sitzt er mit seiner Familie am Esstisch, liest seinen Kindern Märchen vor, feiert seinen Geburtstag im Garten mit Pool und fröhlichem Kindergeschrei.

In der Villa, direkt neben dem Stammlager Auschwitz.

Direkt neben der Hölle. Getrennt nur durch eine etwa 2,50 Meter hohe Mauer liegt sein Idyll – das “Paradies auf Erden” für seine Gattin Hedwig.

Er, das ist SS-Obersturmbannführer Rudolf Höß.

Im Mai 1940 wurde er als Lagerkommandant des Konzentrationslagers Auschwitz eingesetzt und war ab Frühjahr 1941 für den Bau von Auschwitz II (Auschwitz-Birkenau) verantwortlich – dem Konzentrationslager, in dem die “Endlösung der Judenfrage” genannte Ermordung Hunderttausender in den Gaskammern mit industrieller Effizienz perfektioniert wurde.

Der spießbürgerliche Alltag der Familie in direkter Nachbarschaft zur Hölle des KZs steht dazu in direktem Widerspruch. Spürbar wird er im Film “The Zone of Interest”.

Beklemmend beeindruckend. Wir zeigen das Meisterwerk gratis.

Am Sonntag, den 7. April

um 11 Uhr im Burgkino

Marktstraße 24, Uetersen

Anfang März hat der Film gleich zwei Oscars abgeräumt. Als bester internationaler Film. Und für den Sound. Zu recht. Denn das Grauen des Lagerlebens ist in diesem Film nur zu hören.

Schreie, Gebrüll, Schüsse, das Wummern der im Dauerbetrieb bollernden Krematorien. Zu sehen ist der Horror nie direkt. Rauch aus den Schornsteinen der Krematorien und die in der Luft flirrende Asche sind die einzig sichtbaren Zeichen.

Eindrücklich veranschaulicht dieser Film, ähnlich wie der ZDF-Doku-Spielfilm Die Wannsee-Konferenz was gemeint ist mit der vielzitierten “Banalität des Bösen”.

Der Begriff stammt von der Holocaust-Überlebenden und politischen Philosophin Hannah Arendt.

Ahrendt, die unter der Nazi-Herrschaft in die USA auswanderte, war 1961 Beobachterin im Prozess gegen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, dem Chef-Organisator der Verfolgung und Deportation der Jüdinnen und Juden aus dem von den Nazis besetzten Europa.

Der NS-Verbecher Eichmann habe nichts Monströses an sich, beschrieb ihn Hannah Ahrendt. Er erschien ihr äußerst durchschnittlich. Als ein auf Erfüllung seiner Pflichten, auf Anerkennung durch Leistung ausgerichteter, gründlicher Verwaltungsbiedermann.

Das Monströse, das Böse steckte in den Taten. Und in der Fähigkeit, dieses Handeln als notwendiges Übel auf dem Weg zum glorreichen Ganzen wegzuschieben. Die unmenschliche Brutalität in akribisch geführten Listen und zwischen nach dem Alphabet sortierten Aktendeckeln abzulegen.

Ein zeitloses Phänomen, das es auch heute gibt. Und das sich in Deutschland und Europa wieder in den Vordergrund drängelt. Immer dort, wo einzelne Menschen in Gruppen eingeteilt und bezeichnet werden. Wo das WIR gegen DIE wieder sagbar und gefeiert wird. In den Parlamenten, den sozialen Medien, im eigenen Familien- und Bekanntenkreis.

Dieser Film kommt genau zur richtigen Zeit. Und leistet einen wichtigen Beitrag.

Denn nie wieder ist jetzt!

Genau darum zeigen wir diesen Film sehr gerne gratis und laden Sie und euch herzlich dazu ein!

Im Anschluss an den Film wollen wir einen kurzen Spaziergang in die Bleekerstraße machen. Dort wurden im März 2023 Dank der Recherchearbeit der Geschichtswerkstatt des SPD Ortsverbands Uetersen Stolpersteine für drei Zwangsarbeiterinnen und ihre kurz nach der Geburt verstorbenen Babys verlegt.

Danach geht es weiter zum benachbarten Cäcilie-Bleeker-Park.

Hier hat die Stadt Uetersen kürzlich – genauer: am 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag – einen Wildapfelbaum gepflanzt. Einen Baum zum Gedenken an die Opfer des NS-Terrors, ein Zwillingsbaum zum Projekt “1000 Buchen” nahe der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar (Thüringen).

Der Baum wurde noch direkt in der Nacht danach von Unbekannten wieder herausgerissen, wenige Tage später mit einem scharfen Gegenstand erneut attackiert und Anfang März dermaßen beschädigt, dass er wohl nicht überleben wird. Der Staatsschutz ermittelt.

Die völlig sinnlose Gewalt gegen einen Baum zum Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes zeigt deutlich: Auch für Uetersen gilt NIE WIEDER ist JETZ!

Weitere Infos zum Film:

FSK 12

106 Minuten

Regie: Jonathan Glazer

Darsteller: Sandra Hüller, Christian Friedel, Ralph Herforth, Max Beck, Stephanie Petrowitz

Den Trailer gibt es hier zu sehen.

Das Foto zeigt das Plakat für den Film "The Zone of Interest". Im Vordergrund ist ein Garten mit gepflegter, grüner Rasenfläche zu sehen, am Rand rundherum stehen Bäume mit grünem Laub. Auf dem Rasen stehen bunte Liegestühle, rechts im Bild ein Tisch, der mit einem weißen Tischtuch, Geschirr und Essen gedeckt ist. In der Mitte des Bildes stehen mehrere erwachsenen Personen und Kinder in sommerlich leichter Kleidung. Der Mann in der Mitte trägt einen weißen Anzug. Rund um den Garten ist eine hohe Mauer, rechts im Bild ist hinter der Mauer ist ein lang gestrecktes Backsteinhaus mit rotem Ziegeldach zu erkennen. Im Garten scheint die Sonne, aber der gesamte Hintergrund, der schon in der unteren Bildhälfte beginnt, ist ausnahmslos schwarz.

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