Gute KiTa braucht gute Ausbildung!

Zu sehen ist im Vordergrund der blonde Hinterkopf, Schultern und Arme eines etwa 18 Monate alten Kindes. Es trägt eine Langarmshirt mit schwarzen Ärmeln und hellgrau Rücken. Das Kind sitzt auf dem Boden und stapelt groß0e Würfel auf einander, die mit bunten Stoffen bezogen sind. Oben linksum Bild ist eine hellgelbe stilisierte Sonnenblume. Unten links im Bild steht auf grünem und weißem Balken: Gestärktes KiTas in Uetersen und im Kreis Pinneberg.
Foto: LRCL/pixabay.com; sharepic: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN OV Uetersen

Elterninitiative, Erzieher*innen und Träger treffen sich mit Politik zum Strategie-Austausch. Gemeinsame Hoffnung: Die Stärkung des Praxisintegrierten Modells im Kreis Pinneberg

Was braucht es, um für alle Familien ausreichend Kindergartenplätze mit verlässlichen Betreuungszeiten und fürsorglichen Erzieher*innen zu gewährleisten? Dazu diskutierte die Uetersener Gute-KiTa- Initiative, Johannes Bornholdt für die Ev. Kirchengemeinde als Träger von zwei KiTas in Uetersen mit Fachkräften und Kommunalpolitiker*innen der Grünen.

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“Notbetreuung und unverhoffte Schließzeiten sind eine große Belastung für Kinder, Eltern und Arbeitgeber.”

Nathalie Rieck, Gute-KiTa-Initiative

Wo es aktuell ganz konkret hakt, stellten Nathalie Rieck und Jill Heyer von der Initiative dar und forderten mehr Anstrengungen gegen den Fachkräftemangel: „Kinder wie Eltern brauchen eine berechenbare Betreuungssituation. Der gegebene Personalengpass resultiert häufig in Notbetreuung und unverhoffte Schließzeiten. Dies ist eine Belastung für die Kinder und Eltern, aber auch die Arbeitgeber.“

Viel Verständnis für das Anliegen war in der Runde spürbar. Politik müsse und könne hier tatsächlich konkreter ansetzen, so Katrin Stange und Franziska Hammer als Ratsmitglieder in Uetersen: „Die Grundlage muss sein, für die Fachkräfte eine bezahlte Ausbildung und mehr Wertschätzung für den Beruf zu erreichen. Dafür müssen in der Kommune, im Kreis, aber auch im Land die Weichen gestellt werden. Mangelnde Finanzmittel oder bürokratische Zuständigkeitshürden im föderalen System können wir selbst abbauen, wenn wir gemeinsam vorangehen.“

“Bezahlte Ausbildung und mehr Wertschätzung für den Beruf: Das zu erreichen, ist die Grundlage.”

Katrin Stange, Ratsfrau BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
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KiTa-Austausch (v.l.n.r.): Johannes Bornholdt und R. Bortz, KiTa unterm Kirchturm Uetersen, Nathalie Rieck und Jill Heyer, Gute-KiTa-Initiative Uetersen, Nadine Mai und Katrin Stange, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Für mehr gemeinsame Anstrengungen wirbt auch die Grüne Kreistagsabgeordnete Nadine Mai, die sich selbst lange als Elternvertreterin für sinkende KiTa-Gebühren stark gemacht hat. „Wir bewegen im Kreis Pinneberg mit Hochdruck die Frage, wie mehr Fachkräfte gut in der Betreuung arbeiten können. So soll im Frühjahr ein eigenes Fachkräftekonzept für den sozialen Bereich im Kreis vorgestellt werden.

“Wer die Ausbildung mit dem Stipendium finanziert und im Anschluss 3 Jahre im Kreis Pinneberg arbeitet, muss keine Rückzahlung leisten. Das Modell ist einzigartig in Schleswig-Holstein.”

Nadine Mai, Kreistagsabgeordnete und Jugendpol. Sprecherin BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Gleichzeitig gibt es bereits jetzt Erfolge: Im Herbst 2023 haben die ersten Absolventen, die über das kreiseigene Stipendium finanziert wurden, in Kitas im Kreis Pinneberg eine Tätigkeit aufgenommen. Wenn man nach dem Abschluss drei Jahre im Kreis Pinneberg arbeitet, entfällt die anteilige Rückzahlung des Stipendiums“, so Mai. Das Modell ist einzigartig in Schleswig-Holstein. Vor allem Quereinsteigende, wo Schüler- oder Meister-Bafög nicht greifen, profitieren davon.

Die Uetersener KiTa-Initiative wünschte sich deutlich eine Stärkung der dualisierten PiA-Ausbildung, während der bereits in der KiTa gearbeitet werden kann. Der Verdienst liegt dadurch bereits im ersten Jahr weit über einem üblichen Ausbildungsgehalt. Im ersten Jahr werden die Kosten fast zu 100% von Land und Kreis getragen. Eine partnerschaftliche Finanzierung wird aktuell zwischen Landrätin, Kommunen, Fachdienst und Politik erörtert. Dass hier schnell Sicherheit für die Einrichtungen geschaffen wird, ist auch ein Kernanliegen von Nadine Mai.

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“Es braucht jetzt einen Pakt zwischen allen Ebenen für die Finanzierung, dazu schlanke und effiziente Strukturen.”

Nadine Mai

„Die Berufsschule Pinneberg soll im August 2024 wieder mit zwei Klassen im praxisintegrierten Modell starten, also mit mindestens 50 Plätzen. Um die Interessenten, Kommunen und KiTas zu unterstützen, braucht es jetzt einen Pakt für die Finanzierung sowie schlanke und effiziente Strukturen. Man kann Finanzmittel und Kompetenzen im Kreis Pinneberg bündeln, der auch der Schulträger der Berufsschule ist. Zudem wollen wir den Trägern der Jugendhilfe sowie der Kinder- und Jugendarbeit ermöglichen, auf diese Weise Fachpersonal dualisiert auszubilden“, erläutert Mai.

Schleswig-Holstein hat im vergangenen Jahr an einigen Modellschulen ein Praxismodell für die SPA, die sozialpädagogische Assistenz, umgesetzt. 600€ Förderung pro Monat und Platz sind dafür bereitgestellt. Die Prüfung für eine solche Klasse hat der Kreistag Pinneberg durch einen Haushaltsbegleitbeschluss angestoßen. Die Grünen hoffen nun auf die Unterstützung der Berufsschule und aller demokratischen Parteien des Kreistages. „Der Fachkräftemangel wird uns künftig vor große Herausforderungen im Bildungs- und Sozialbereich stellen. Wir müssen gemeinsam in Kreis und Kommunen dagegenhalten. Wenn es Landesinitiativen und -mittel gibt, dann sollten wir alles tun, um diese auch vor Ort einzusetzen“, so Nadine Mai.

© Gute Kita Initiative Uetersen | CC BY-ND 4.0 International

“Frühkindliche Bildung muss ganz oben auf die Tagesordnung der Politik.”

Nathalie Rieck

KiTa-Träger und Eltern-Initiative hoffen ebenfalls, dass die Chance genutzt wird. Nathalie Rieck und ihre Mitstreiter*innen wollen sich in jedem Fall dafür engagieren: „Wir wollen den konstruktiven Austausch mit den Fraktionen weiter intensivieren. Das wichtige Thema der frühkindlichen Bildung und die Auswirkungen des Fachkräftemangels für die Gesellschaft müssen ganz oben auf die Tagesordnung der Politik.“

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